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Meine #rp14

Category : Gedanken · by Mai 18th, 2014

#rp14

Die re:publica 2014 ist vorbei und ich schiebe dieses kleine Fazit schon mehr als eine Woche vor mir her. Es fällt mir auch in diesem zweiten Anlauf einer Zusammenfassung immer noch schwer das Erlebte und Erwartete in Worte zu fassen. Vor allem, weil andere das zu einem gewissen Teil für mir erledigt haben und weil ich die re:publuca 2007 noch im Hinterkopf mit mir herumschleppe. So here goes nothing!

Meine Erwartungen

Kumpel @tinkengil und ich sind aus zwei Gründen auf die re:publica gefahren. Zum einen, um ein paar coole und inspirierende Tage in Berlin zu haben. Zum anderen, weil wir in den letzten Wochen und Monaten an einem Projekt werkelten, für das wir uns neuen Input auf der Konferenz erhofften. Beide Hoffnungen sind aufgegangen. Aber dazu demnächst mehr.

Meine Erlebnisse

An allererste Stelle stehen da ein paar Begegnungen. Das beste an der Konferenz sind nämlich die Menschen. Auf die Treffen mit Alex von Real Virtuality und mit Second-Unit-Hörer Jonas hab ich mich besonders gefreut. Die spontane Plauder-Runde mit Nico vom Bildsprache-Podcast war ebenfalls sehr schön, genauso wie das Quatschen mit und Kennenlernen von vielen weiteren Menschen.

#rp14_menschen

Doch die re:publica lebt natürlich auch von ihren Vorträgen. Mein Programm war recht voll gestopft: Am ersten Tag hab ich mir die Eröffnung, die Opening-Keynote der Yes-Men, die Diskussion zum Lokaljornalismus, die Sprachwissenschaftlichen Beobachtungen von Anatol Stefanowitsch, den PR-Stunt von und mit David Hasselhoff und natürlich die Brandrede von Sascha Lobo angeschaut. Gleich am ersten Tag wollte ich mich am liebsten dreiteilen.

Am zweiten Tag ging es ähnlich vollgepackt weiter: Teresa Bückers Vortrag zum Aktivismus-Burnout hat mich sehr überzeugt, der Vortrag zum Neudenken der journalistischen Dienstleistung ebenfalls. Lediglich die Präsentation zum Begriff der Netzgemeinde hinterließ einen faden Beigeschmack. Für mich gab es keinen roten oder gar überzeugenden Faden in diesem Vortrag, stattdessen erinnerte ich mich an unzusammenhängende Oberstufen-Referate. Schade, denn ich hätte mir eine selbstkritische Auseinandersetzung mit der eigenen Szene gewünscht. Stattdessen gab es platte Querschläger in alle Richtungen. Danach ging es zur Podiumsdiskussion zu den Bezahlmodellen im Online-Journalismus, die ich durch die LaterPay-Vorstellung von Richard Gutjahr spannender empfand als zunächst gedacht. Zwischendurch gönnte ich mir eine Pause, verabschiedete Timo und ließ den Tag im Sendezentrum, der Podcasting-Höhle der re:publica, bei der Sondersendung ausklingen. Langsam machte sich Müdigkeit breit.

podcasts_matter

Am dritten Tag stand mit dem Vortrag von Tim Pritlove zu Podcasts mein persönliches re:publica-Highlight an. Auch wenn Tim mich gegen Ende ein wenig durch seine abstrakten Vorstellungen verlor, hat er mich mit seinem Podlove-Plugin und dessen anstehende Updates überzeugt. Nach dem Vortrag ging es mit @alexmatzkeit in die Pressevorführung vom neuen Godzilla-Streifen, die ich bereits verpodcastet habe. Anschließend ging es zurück in die Station und zu der zweiten Häfte von Sascha Lobos Vortrag zum „Betriebssytem Buch“. Eigentlich müsste ich den Anfang noch einmal nachholen, denn mir haben die interaktive Vortragsform und die progressiven Gedanken ziemlich gut gefallen. Den Abschluss des dritten Tages übernahm Eva Horn mit ihren (für meinen Geschmack zu verplanten) Gedanken zum Entlieben in der digitalen Welt. Trotz verzettelter Vortragsweise gefielen mir ihre charmanten und klugen Beobachtungen. Den Abschluss der Konferenz zelebrierte ich wie die meisten bei Danksagungen und Karaoke.

Meine re:publica scheint im Rückblick bunte bunte Mischung aus medial/journalistischen und gesellschaftlichen Themen sowie Podcasts gewesen zu sein. Gefällt mir.

sendezentrum

Meine Wünsche

Was mich aber am meisten überraschte, war die fehlende Selbstkritik der Szene bzw. der Beteiligten. Ich war damals auf der ersten re:publica im Jahr 2007 und teilte damals noch uneingeschränkt die euphorische Grundstimmung. Und natürlich gehört es zu dieser Konferenz dazu, sich selbst und das eigene Schaffen für ein paar Tage zu feiern. Trotzdem hätte ich mir aber eine selbstkritische Analyse der vergangenen Jahre gewünscht. Warum ist Spreeblick in den letzten Jahren nahezu komplett eingeschlafen? Warum sind Blogs generell nahezu kein Thema im Netz mehr? Was wurde aus Adnation, dem Werbenetzwerk aus der Blogosphäre für die Blogosphäre? Wer ist diese neue YouTube-Generation und was können wir von ihr lernen? All diese Fragen hätte ich mir gern in verschiedenen Vorträgen und Podiumsdiskussionen angehört. Vielleicht gab es diese Auseinandersetzung der Netzgemeinde mit sich selbst bereits vor einigen Jahren auf der re:publica und ich bin zu spät mit diesen Themen. Über Hinweise bin ich dankbar. Lediglich der (ausgezeichnete) Vortrag von Sascha Lobo hat kräftig auf den Tisch gehauen und Leute wachgerüttelt. Das hat mir gut gefallen, auch wenn man Lobo gegenüber natürlich nicht unkritisch sein darf. Trotzdem teile ich seine Enttäuschung über uns, die wir im Netz unterwegs sind, hier leben und arbeiten, aber unsere Ärsche nicht für sinnvollere Sachen als Selfies und mittellustige Tweets hochkriegen. Natürlich nehme ich mich davon nicht aus, im Gegenteil. Doch bisher zucke ich nach der ganzen NSA-Geschichte verlegen mit den Schultern, anstatt mich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich hab es noch nicht mal in netzpolitische Vorträge auf der Konferenz. Das ist scheiße.

Die #rp15

Natürlich will ich auch im nächsten Jahr wieder nach Berlin. Zur besseren Vorbereitung (und weil Online-Artikel immer aus Listen bestehen müssen!) ein paar Gedanken für den Mai 2015:

  • Mehr Entspannung bzw. weniger Vorträge. Die meisten lassen sich eh im Netz nacharbeiten, also brauch ich mir keinen Stress vor Ort machen, so viel wie möglich mitzukriegen.
  • Wenn Vorträge, dann nur einstündige. Diese 20-30 Minuten Sessions sind für meinen Geschmack viel zu kurz, selbst 60 Minuten bin ich als Podcast-Junkie kaum gewohnt. Gedanken brauchen Platz und Zeit, deshalb nur noch lange Sessions im nächsten Jahr besuchen.
  • Mehr Menschen, mehr Gespräche. Immer eine gute Idee.
  • Vielleicht auch mehr produzieren. Die Ideen und die Mittel waren da, es fehlte aber der Ruhe.
  • Montag bis Freitag, statt Samstag bis übernächsten Sonntag. Ich war bereits das Wochenende zuvor unterwegs und blieb das Wochenende nach der Konferenz noch in der Stadt. Das hat dann doch zu viel Kraft gekostet und sollte ich nächstes Jahr eher vermeiden.

Die #rp14 geht im Netz natürlich weiter. Folgende Beiträge habe ich mir nachträglich auf YouTube angeschaut und ihr solltet es auch tun (Liste wird laufend ergänzt):

  • Mobilitätsinnovationen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen: Raúl Aguayo-Krauthausen über technische Innovationen für Menschen mit Behinderungen. Genau das, was ich auf der Konferenz suche. Kluge Gedanken und eine mir völlig neue Perspektive und ihre ganz eigenen Probleme
  • WikiLeaks, Manning and Snowden: From USA to USB: Wenn schon nicht vor Ort, dann eben nachträglich die Auseinandersetzung mit netzpolitischen Themen. Ein Interview mit der WikiLeaks-Hausjournalistin Alexa O´Brien
  • Die Stein-Strategie – Von der Kunst, nicht zu handeln: Holm Friebes Anti-Innovationsstrategie hat mir unglaublich gut gefallen. Eben weil es eine kontroverse, gegengerichtete Meinung zum generellen Innovations- und Start-Up-Hype ist. Warum hab ich diesen Vortrag nur verpasst?
  • Wer soll uns regulieren?: Frank Rieger sucht neue Regulierungsstrukturen zwischen frei handelnden Unternehmen und dem paranoiden Staat. Sehr schöner Denkanstoß, der sehr gut zu dem Lobo-Rant passt
  • Wie ich lernte, die Überwachung zu lieben: Der Titel von Felix Schwenzels Vortrag ist natürlich ironisch gemeint. Statt die Totalüberwachung zu lieben, überlegt er laut, was wir uns in der Debatte fehlt und verweist dabei auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre. Nach diesem Video muss ich meinen Eindruck wohl langsam revidieren, ich war wohl tatsächlich nur in den falschen Vorträgen. Sehr, sehr stark von Felix!
  • „Überwachung macht impotent!“ – Neue Narrative gegen Überwachung: Der Name ist Programm. Friedemann Karig zeigt die Bedeutung von Narrativem im politischen Kampf um die eigenen Themen. Erstaunlich, wie schwach wir eigentlich gegen die Überwachung formulieren!
  • Freiheit und Vorhersage: Über die ethischen Grenzen von Big Data: Viktor Mayer-Schönberger zeigt uns, wie Daten-Analysen uns beeinflussen, regulieren und vor allem in der Freiheit beschränken. Das Thema ‘Freiheit’ gefällt mir dabei ganz besonders gut, dazu will ich mich in den nächsten Wochen und Monaten mal intensiver beschäftigen.

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(1) Comment

[...] Mal wirklich ausgeschlafen und überhaupt, in diesem Fall mit viel mehr Grundentspannung am Start. Mein Vorsatz aus dem letzten Jahr ist gut aufgegangen: Im Zweifel Menschen statt Vorträge. Überhaupt war die re:publica in diesem Jahr besonders durch [...]

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